Leben und Sterben in der Hölle
 
     
 

AUSCHWITZ


ist Synonym für das größte Verbrechen in der Geschichte der Menschheit, es ist Tatort der Verwirklichung des geplanten und durchorganisierten Völkermordes.

Auschwitz ist die Todesstätte von mindestens eineinhalb Millionen unschuldiger Opfer vieler Nationalitäten, 90% der Opfer waren Juden. Die menschliche Sprache ist zu arm, um all die Verbrechen zu beschreiben, denen unschuldige Menschen, Männer, Frauen und Kinder, an diesem Ort des Grauens ausgesetzt waren. Sie wurden dort nicht nur ermordet, sondern auf unmenschlichste Art gequält, erniedrigt und gedemütigt.



Die Einlieferung in ein Konzentrationslager erfolgte ohne irgendwelche gesetzlichen Grundlagen. Durch die Notverordnung "Zum Schutz von Volk und Reich" vom 4. Januar 1934 konnten Polizeibehörden im Deutschen Reich ohne Gerichtsverfahren und zeitliche Begrenzung "zur Bekämpfung staatsfeindlicher Bestrebungen" über Personen die Schutzhaft verhängen.
Das Verfolgungssystem des Nationalsozialismus erstrebte die Ausschaltung von Feindgruppen; neben politischen Gegnern waren dies vor allem die Juden. Nach 1936 wurde die Verfolgung von politischen Gegnern auf so genannte „Asoziale“, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Roma und Sinti und eben Juden ausgedehnt.

DIE ANKUNFT



Die Neuankömmlinge wurden in eigene Gebäude getrieben, in denen sich "Badeanstalten" befanden. Nachdem sich die Häftlinge vollständig hatten ausziehen müssen, wurden sie ihrer Kleidung, Wertsachen, aber vor allem ihrer Würde beraubt. "Friseure" schoren ihnen sämtliche Haare am ganzen Körper.
Besonders für Frauen stellten diese Nacktheit und der Verlust ihrer Haare eine erste vollkommene Demütigung dar.
Anschließend an eine kurze, eiskalte oder heiße Dusche folgte die Desinfektion mit einer übel riechenden, blau-grünen Seifen Flüssigkeit.
Den Abschluss der Aufnahme ins Lager bildete die Registrierung der Häftlinge in genau geführten Lagerkarteien. Das Tätowieren einer fortlaufenden Lagernummer auf den linken Unterarm stellte eine Besonderheit des Lagers Auschwitz dar, die auf die große Zahl der Gefangenen zurückzuführen war.
Durch den "Zugangsschock" war der Tod in den ersten drei Monaten besonders hoch.
Zdenka Fantlová beschreibt diese ersten Eindruck wie folgt:
"Auschwitz war für mich ein so schrecklicher Schock, dass meine Erinnerungen daran und an alles, was ich dort erlebt habe, wie mit einem Nebelschleier zugedeckt sind. Während meines ganzen Aufenthaltes dort war es mir, als ob mir jemand auf den Kopf geschlagen hätte. Lange Zeit konnte ich nicht fassen, dass das, was ich erlebte, Realität war. ... Ich hörte auf zu denken und zu fühlen. Das war die einzige Hilfe, die die Natur uns gab, damit unsere Gesundheit erhalten bleibe."
(Quelle: Langbein, Hermann: Menschen in Auschwitz. München 1999)



FRAUEN IN AUSCHWITZ




Im März 1942 wurde im Stammlager Auschwitz die erste Frauenabteilung eingerichtet, indem das bisherige Männerlager durch eine zwei Meter hohe Ziegelmauer abgetrennt wurde. Die ersten Frauen waren 999 Häftlinge aus Ravensbrück.
Am 16. August 1942 erfolgte die Auflösung des Frauenlagers in Auschwitz I und die Übersiedlung nach Birkenau. Zu diesem Zeitpunkt fand die erste Massenvernichtung von weiblichen Häftlingen statt. Von den 12.000 Lagerinsassinnen der Frauenabteilung wurden 4.000 noch in Auschwitz I vergast. Alle übrigen wurden nach Birkenau gebracht.
Das erste Frauenlager in Birkenau war bald so überfüllt, dass es durch einen weiteren Teil des bisherigen Männerlagers ergänzt werden musste. 1944 wurden nochmals weitere Lagerteile dem Frauenlager eingegliedert.

Die Frauen litten noch stärker als die männlichen Häftlinge unter der Überfüllung der Baracken, den schlechten sanitären Einrichtungen, den endlosen Aufrufen und den Misshandlungen durch das SS-Wachpersonal.

(Swiebocka, Teresa: A History in Photographs. Nachgestelltes Photo aus dem sowjetischen Film "Chronik der Befreiung von Auschwitz." Es zeigt nur ansatzweise die Überfüllung der Baracken mit Hunderten von Häftlingen.)



Eine der SS-Oberaufseherinnen soll hier erwähnt werden: Maria Mandel, geboren 1912 in Oberösterreich, galt in der SS-Hierarchie als intelligent und von ihrer Sache überzeugt. Für ihre „Verdienste“ wurde sie zur Vorgesetzten der Aufseherinnen ernannt; seit Oktober 1942 war sie Schutzhaftlagerführerin in Auschwitz II. Unter den Auschwitz-Häftlingen wurde Mandel wegen ihrer persönlichen Brutalität und ihres Eifers bei den Selektionen besonders gefürchtet. Als Musik liebender Mensch ließ Mandel beim Appell aufspielen, und die Frauen, die erschöpft von der Arbeit heimkehrten, mussten im Takt zur Musik marschieren. Zu allen offiziellen Anlässen wurde auf Anordnung Mandels Musik bestellt, zu den Ansprachen des Lagerführers, zu Transporten und wenn ein Häftling gehängt wurde.

Im Dezember 1947 wurde sie vom Obersten Volkstribunal in Krakau zum Tode verurteilt und hingerichtet.


Die Lebenserwartung war nur bei Frauen in "guten Arbeitskommandos" (z.B. Küche, Nähstube, Bedienung der Familie des Kommandanten, Schreiberinnen in der politischen Abteilung usw.) etwas höher. Alle anderen weiblichen Häftlinge mussten wie die Männer schwerste Arbeiten verrichten.

KINDER, DIE NACH AUSCHWITZ GEBRACHT WURDEN


Ab 1942 wurden aus allen besetzten Gebieten Kinder nach Auschwitz gebracht. Kleine Kinder wurden in der Regel sofort ermordet. Sie waren zu klein zum Arbeiten. Hielt eine Mutter während der Selektion ihr Kind im Arm, wurden beide vergast. Durch das Kind wurde die Mutter als "nichtarbeitsfähig" eingestuft. Trug die Großmutter das Kind, wurde sie mit ihm ermordet.


(Quelle: Swiebocka, Teresa: A History in Photographs. Alte Frau mit Kindern auf dem Weg in die Gaskammer und in das Krematorium III. (SS-Photo, 1944)



Die Häftlingsärztin Lucie Adelsberger beschreibt das Leben der Kinder:

"Der Kinderblock im Zigeunerlager war eigentlich nicht viel anders als die Blocks der Erwachsenen. Aber die Not dieser jungen Würmer schnitt noch mehr ins Herz.
Die Kinder waren wie die Erwachsenen nur noch Haut und Knochen, ohne Muskeln und ohne Fett, und die dünne, pergamentartige Haut scheuerte sich über den harten Knochen des Skeletts überall durch und entzündete sich in schwärenden Wunden. Krätze bedeckte den unterernährten Körper von oben bis unten und entzog ihm die letzte Kraft. Der Mund war von Noma-Geschwüren zerfressen, die sich in die Tiefe bohrten, die Kiefer aushöhlten und krebsartig die Wangen durchlöcherten. Bei vielen schoppte der Hunger den sich zersetzenden Organismus mit Wasser voll.
Sie schwollen zu unförmigen Klumpen an, die sich nicht rühren konnten. Durchfall, durch Wochen hindurch, löste ihren widerstandslosen Körper auf, bis bei dem steten Wegfließen von Substanz nichts mehr von ihm übrig blieb."

(Quelle: Langbein, Hermann: Menschen in Auschwitz. München 1999)



KINDER, DIE IN AUSCHWITZ GEBOREN WURDEN


Besonders schrecklich erging es schwangeren Frauen. In der ersten Zeit wurden sie sofort umgebracht. Es gab aber auch geheime Entbindungen. Meist starben die Frauen an den Folgen von Blutvergiftungen. Verlief eine Geburt erfolgreich, hatte der Säugling kaum eine Überlebenschance, denn die SS-Ärzte und ihre Helfer brachten die Kinder sofort um.

Ab Anfang 1943 durften die registrierten und im Lager inhaftierten schwangeren Frauen ihre Kinder gebären. Die Neugeborenen wurden jedoch von Helferinnen der SS in einem Kübel mit Wasser ertränkt.

Im Laufe des Jahres 1943 wurden Neugeborene "arischer Abstammung" nicht mehr getötet, sondern in die Lagerkartei aufgenommen. Sie bekamen, wie die erwachsenen Häftlinge, eine Nummer eintätowiert. Da ihr linker Unterarm noch zu klein war, wurde die Zahl auf dem Schenkel oder dem Gesäß angebracht.

Manche Kinder, die blond und blauäugig waren, wurden den Müttern von der SS weggenommen. Sie sollten "germanisiert" werden, während jüdische Kinder nach wie vor mit unglaublicher Grausamkeit behandelt und getötet wurden.

Die durch Hunger, Kälte und Krankheiten ausgemergelten Mütter konnten oft nicht verhindern, dass ihre Kinder von Ratten gebissen, an- oder aufgefressen wurden.

Für Neugeborene gab es weder Medikamente noch Windeln oder zusätzliche Nahrung.


 
Vorwort
Auschwitz – Daten
Auschwitz – Leben und Sterben in der Hölle
Ist Rassismus menschlich?
Rassismus und die neue Generation
Rassismus unter Jugendlichen
Die Gefahr der Gehorsamkeit
Folter im Irak und Gehorsamkeit
Thesen zu Auschwitz
Spaghetti für zwei?
Nachwort
Impressum